Freitag, 13. Januar 2017

Wenn Lobbyorganisation Klartext schreiben

Wie leicht man – trotz Liberalisierung – unliebsame Wettbewerber ausbooten kann, zeigte sich im Herbst 2007. Damals beschlossen die Postgewerkschaft ver.di und der Arbeitgeberverband Postdienste einen Tarifvertrag über einen Mindestlohn von 9,80 Euro in Westdeutschland und 8 Euro in Ostdeutschland. Solche Stundenlöhne konnten private Anbieter schlicht nicht bezahlen – und versuchten deshalb erst gar nicht, auf dem Briefmarkt tätig zu werden.

Wettbewerber konnten sich auf dem Markt nicht einbringen, weil ein Lohndumping nicht möglich war. Innovation reicht offensichtlich nicht aus. So sozial sieht also die Initiative neue soziale Marktwirtschaft aus. Ehrlicher kann man es eigentlich nicht verkaufen. Warum kann die Post denn die Löhne zahlen? Ach ja weil die Preise höher sind, sie bereits ein Vertriebsnetz betreiben, etc. Neue Teilnehmer am Markt können nur über geringere Preise hinzukommen. Das können sie über Innovationen in der Produktivität oder über Lohndumping machen. Scheinbar gibt es keine Innovationen mehr beim Postdienst.
 Nur stellt sich die Frage, warum sollte man diesen Markt überhaupt Liberalisieren? In der Summe werden nicht mehr Briefe verschickt werden. D.h. man wird wohl nicht mehr Menschen brauchen um sie zu verteilen. Man braucht auch nicht mehr Infrastruktur, denn die Briefe werden auch heute schon verteilt. 
Lässt man es zu, dann fahren mehr Fahrzeuge herum, es werden mehr Personen schlecht bezahlt, ohne das sich an der Leistung für den Kunden irgendetwas ändert. Sie wird vielleicht etwas billiger. Das Fazit lautet also, das was die INSM kritisiert, reduziert den Verkehr, schont die Umwelt und sorgt für ein Einkommen von dem Menschen halbwegs leben können. Das ist dann für diesen Lobbyverein unsozial, weil es den heiligen Regeln des Marktes widerspricht. Amen.

Chris

Donnerstag, 12. Januar 2017

Liberalisierung ist toll!!!

Wenn von Liberalisierung die Rede ist, hagelt es in der öffentlichen Diskussion häufig Kritik. Am Beispiel der fünf Branchen Post, Telekommunikation, Luftverkehr, Fernbuslinienverkehr und Strom zeigen wir in einer Serie, dass die Öffnung dieser Märkte den Verbrauchern fast ausnahmslos große Vorteile gebracht hat.

Solch eine Vereinfachung der Welt kann auch nur das Sprachrohr des Pseudoliberalismus bringen. Die erste Vereinfachung ist, dass nur auf die Verbraucher geschaut wird. Die zweite Vereinfachung ist, dass nur auf die Preise geschaut wird. Wenn man das beides macht, dann ist Liberalisierung teilweise tatsächlich eine Erfolgsstory. Sieht man sich das Gesamtpaket an, dann wird es düster. Schauen wir uns die fünf Branchen an. Zu jeder fällt mir mindestens ein Negativresult ein. Daher hier ein paar Punkte die wenigstens beleuchtet werden sollten.

Post
- schlechtere Arbeitsbedingungen
- Qualität des Service ist gesunken

Telekommunikation
- wieviel Wettbewerb gibt es eigentlich zwischen 3 großen Anbietern?
- kein Breitbandausbau
- wieviel des gepredigten Vorteils und der Preissenkungen resultieren eigentlich aus der technologischen Entwicklung?

Luftverkehr
- Arbeitsbedingungen

Fernbuslinienverkehr
- Abnutzung der Straßen
- Umweltverschmutzung
- Lärm und Stau in den Städten
- schlechte Arbeitsbedingungen
 
Strom  
- Lagerung des Atommülls
- Klimaschutz

Andere Liberalisierungsprojekte werden nicht einmal betrachtet. Dabei zeigen sie deutlich das Scheitern auf. Autobahnbauten sind teurer, obwohl es privat durchgeführt wurde. Die Wasserpreise privatisierter Unternehmen ist höher. Private Krankenkassen werden deutlich teurer als die gesetzlichen. Die private Rente hat massive Probleme, trotz dem gottgleichen Wettbewerb. Müll, Nahverkehr, Bahn, etc. selten wird etwas besser. Meist wird es teurer und die Qualität sinkt. Das ist auch nachvollziehbar. Was die INSM verschweigt ist, dass in der Regel das staatliche Monopol durch einen oder wenige private Anbieter ersetzt wird. Diese senken kurzfristig die Preise, damit kein Konkurrent auf den Markt kann. Dann steigen die Preise kräftig. Die Arbeitnehmer müssen das dann aushalten.
Daher ist eine reine positive Sicht nicht sinnvoll. Eine Privatisierung sollte gesamtgesellschaftlich betrachtet werden. D.h. es muss Vorteile für die meisten Menschen bringen. Nur einseitig auf Kosten, ohne den Nutzen zu schauen, ist Blödsinn.
Genau das müssen Ökonomen aber wahrscheinlich machen. Denn nur so können sie ihre Kosten argumentieren. Der Nutzen von solchen Analysen ist nämlich Null.

Chris

Freitag, 6. Januar 2017

SPON schick bitte deine Autoren in die Schule

Wer schreibt ein solche Überschrift

Russland zieht Flugzeugträger aus Mittelmeer ab
 
dann eine solche Unterüberschrift?

Moskau will damit begonnen haben, die Zahl seiner Truppen in Syrien zu reduzieren. Der Flugzeugträger "Admiral Kusnezow" und mehrere Begleitschiffe sollen die Region verlassen haben. 

Sind die Truppen abgezogen oder nicht? Die Konjunktivierung der Aussage zeigt nur, dass SPON keine Ahnung hat. Gleichzeitig wird Russland unterstellt, die behaupten was und tun etwas anderes. Es wird nicht etwa gelobt, dass Russland sich aus diesem Krisengebiet zurückzieht. Dabei wurde Russland immer wieder kritisiert, von eben jener Presse, dass es etwas für den Frieden tun solle. Jetzt zieht man sich zurück und es ist keine Lobmeldung wert. Stattdessen wieder mal Stimmungsmache.

Chris

Dienstag, 3. Januar 2017

Nanu?

Ein differenzierter Beitrag auf dem Lobbyblog der INSM. Es wird zurecht eingestanden, dass Prognosen nur Bandbreiten abbilden können. Diese sind im bestenfall relativ eng. In der Regel ist diese Bandbreite größer je weiter man in die Zukunft schaut. Das wird immer wieder vergessen, wenn die gleiche Lobbyorganisation bis 2040 die Rentenkosten berechnet, dabei die Annahmen vergisst und eben keine Bandbreiten angibt. 

Chris

Montag, 2. Januar 2017

Linkslinguisten

Die AfD erklärt, dass sie keine rassistisch belegten Worte verwendet. Das alles ist eine Verschwörung von Linkslinguisten. Einfach Grandios.

Chris

Mittwoch, 28. Dezember 2016

Merken sie es eigentlich nicht?

Man kann sich kaum das Lachen verkneifen, wenn man einerseits dem Teufel Trump vorwirft postfaktisch zu argumentieren und gleichzeitig Ökonomen solchen Quatsch schreiben zu lassen.

Chris

Montag, 26. Dezember 2016

Einfach mal auskotzen

Jetzt fordern sie schon wieder mehr Kameraüberwachung. Das soll mehr Sicherheit generieren. Wie das gehen soll, sagen sie nicht. Denn das Ziel soll in einer schnelleren Aufklärung eines Anschlags oder ähnlichem führen. 
Um mal klar zu machen wie absurd solche Aussagen sind, hier eine Analogie. Niemand bei Verstand würde bessere Black Boxen in Flugzeugen verlangen, um diese sicherer zu machen. In unserem sicherheitsfanatischen Staat machen wir genau das. Ja es ist richtig, dass in Berlin so etwas wie ein Anschlag war. Aufgeklärt ist noch nichts. Richtig ist auch das Menscheng gestorben sind und das ist schlimm. Aber trotzdem sollten die Emotionalisten der Presse und Politik den Ball flach halten. Wenn wir in allen Bereichen die unberechenbar sind und regelmäßig zu Toten führen genauso reagieren wie bei einem solchen Anschlag, dann wäre auf jeder Autobahn Tempo 100 und in Städten sogar nur Tempo 30. Gleichzeitig würden alle Autofahrer überwacht werden. In Krankenhäusern wäre jegliche Desinfektionstelle Videoüberwacht. Personal das gegen die Desinfektionsrichtlinien verstoßen werden des Landes verwiesen. 
Das Leben ist unsicher. Wir haben uns den Terror als Bürde selbst aufgelegt. Damit meine ich nicht, dass die Terroristen zu uns kommen, weil wir irgendwo auf der Welt Krieg spielen. Das stimmt zwar, ist aber nicht das was ich meine. Wir haben uns als Gesellschaft für die Terrorangst entschieden. Denn nur so können wir gegen den Ausländer wettern. Wir können es uns so richtig in unserer moralisch überlegenden Opferrolle bequem machen. Der Aufwand die Sicherheit zu erhöhen ist gering. Denn es besteht kein Sicherheitsproblem. Es besteht ein Wahrnehmungsproblem. Wir kriegen also mehr Kameras, dadurch fühlen wir uns noch unsicherer. Wir zittern und freuen uns dennoch wenn im Sekundentakt Terrorberichterstattung passiert. Spekulationen was wie passiert ist. Wichtig dabei wo die Person herkommt. Terror gibt es nur, wenn es ein Ausländer ist. Sonst ist es ein Amoklauf. 
Das alles ist unendlich nervig. Das angeblich so schlimme Jahr 2016 ist nicht besser oder schlechter als andere Jahre. Was ist denn schlimmes passiert. Syrien war schlimm, über Jemen wurde faktisch nicht berichtet. Sonst ist nicht viel passiert. Die Kölner Sylvesternacht war nicht so schlimm wie gedacht. Trump wird genauso schlimm sein oder werden wie Obama und Bush vor ihm. Der Brexit wird die Welt nicht untergehen lassen. 
Es ist kein Atomkraftwerk expolodiert. Kein Tsunami hat hundertausende getötet. Wo ist also das Drama? Es ist in den Köpfen. Es ist ein Wahrnehmungsproblem, wie bei der Sicherheit. Die Menschen lesen sekündlich die schlimmsten Nachrichten. 90-95% davon sind Fake News. Dabei meint Fake folgendes. Es sind Spekulationen, Wiederholungen, sinnlose Interviews, Hörensagen, usw. Wenn nur wirkliche Nachrichten berichtet werden würden, wäre wenig los in den Onlineredaktionen. Jeder kann es probieren. Wenn man nichts wesentliches verpasst, wenn man nur einmal täglich Nachrichten ließt, dann muss der Rest sinnlos sein. In der Regel ist es Fake. Nun wird es als Problem aufgeblasen. Aber das ist ein anderes Thema im aktuellen Jammertal.
Als Fazit kann man eigentlich nur schreiben. Gefühlt wird die mediale Welt dümmer, emotionaler und inhaltsloser. Dann wundert sich eben diese mediale Welt, dass die Menschen die Medien konsumieren dümmer, emotionaler und inhaltsloser werden und keine Diskurse mehr führen. Überraschung.

Chris