Freitag, 23. Februar 2018

Was denn nun?

Eine andere Frage ist, wie lange ein Land ein Handelsbilanzdefizit aufweisen kann. Das muss auf Dauer ja irgendwie finanziert werden - mit Kapital aus dem Ausland eben. Das kann auch tatsächlich zu Problemen führen.

aber

Tatsächlich sind diese Kennzahlen zumindest nach Ansicht der Fachleute kein echtes Problem. Weder das deutsche Handelsdefizit gegenüber China noch der abermals und nun auf ungefähr 50 Milliarden Dollar gestiegene Überschuss gegenüber den Vereinigten Staaten.

Diese Paradoxie muss man erst einmal in sein Gehirn bekommen. Scheinbar schafft man das, wenn man irgendwann einmal Volkswirtschaftslehre studiert hat und dann Journalist geworden ist. Wie kann denn etwas gleichzeitig ein Problem und kein Problem sein?
Das ist das Niveau auf dem die deutsche Politik und die deutschen Medien so etwas einfaches wie

Summe aller Importe der Welt + Summe aller Exporte der Welt = 0

diskutieren. Das ist von Grundverständnis Mathematik der 1. oder 2.  Klasse und sollte von einem Spitzenjournalisten verstanden werden.

Chris

Mittwoch, 7. Februar 2018

Eine Antwort auf die Kritik der faktenlosen Argumentation


Soviel dazu, dass studieren zu einer besseren Bildung führt. Bei der INSM werden im Wesentlichen Akademiker arbeiten. Sie haben also studiert und sollten den Unterschied zwischen Fakt, laut Wikipedia "Eine Tatsache (lateinisch factum, res facti; griechisch πράγματα) ist je nach Auffassung ein wirklicher, nachweisbarer, bestehender, wahrer oder anerkannter Sachverhalt."  und Prognose kennen. Die Aussagen der INSM sind eben nicht wirklich, nachweisbar oder bestehend (wie soll man ein Ereignis nachweisen, was noch nicht passiert ist?).
Solche Aussagen zeigen wie niedrig das Niveau des Lobbyismus ist. Dort wird nur mit Emotionen gearbeitet, aber nicht mit Argumenten. Wer alternative Fakten sucht wird hier fündig. Die Studienverweise sind meist auch sehr interessant. Aus einer dieser Studien wurde beispielsweise ein Satz aus einer Einleitung der durch nichts belegt worden ist, entnommen. D.h. nur weil ich eine Quelle habe, wird Quatsch nicht auf einmal seriös. Auch Flacherdler haben Quellen. 

Chris

Montag, 5. Februar 2018

INSM Faktenlage

Die INSM will eine faktenbasierte Diskussion führen und weiß nicht einmal was Fakten sind. Zur Rente und Demographie sind ihre

  • Fakten 1 - 5 sind für die Rente vollkommen egal Grunde egal.
  • Fakten 1,2,3,4,6 und 10 sind keine Fakten, sondern komplett oder in Teilen Prognosen.
  • Fakt 8 ist kein Fakt, sondern eine Behauptung. Wieso ist man mit 63 zu jung für eine Rente? Warum ist man mit 60 zu alt zum arbeiten? Das sind willkürliche Festlegungen, mehr nicht.
D.h. mindestens 80% der dargestellten Fakten sind keine. Schöner kann man sich selbst nicht diskreditiern.
 
Fakt 11 wurde übrigens vergessen. Die Rente ist eine reine Verteilungsfrage.
Fakt 12 Demographie ist nachrangig, die Produktivität ist wichtiger. (Jeder mit ein wenig Verstand und dem Blick in die Vergangenheit kann das sehen)
Fakt 13 Die Argumentation der INSM war beim Mindestlohn ähnlich apokalyptisch und sie lag daneben.

Chris

Mittwoch, 31. Januar 2018

Widersprüchlichkeit im Marktdogma

Ein sehr schöner Beitrag über die Unsinnigkeit der reinen Marktlehre.

Der Markt ist institutionell nicht definiert. In keinem Text wird geklärt, welche Institutionen den Markt genau ausmachen. Das bedeutet auch: Marktfundamentale Wirtschaftspolitiken verfügen über keine gesicherten theoretischen Grundlagen. Die Setzung des Marktes als theoretische Größe kollidiert mit der Praxis, den Markt herstellen, aufrechterhalten oder ausbauen zu wollen. Man kann eine „Deregulierung“ fordern, aber nicht wissen, was sie bewirken wird. Denn um das wissen zu können, müssten explizit die Regeln bekannt sein, die den Markt konstituieren (genau das kann aber nach Hayek niemand wissen).
Aber der theoretische Nachteil bietet im wirtschaftspolitischen Diskurs einen Vorteil, der kaum zu unterschätzen ist. Je nach Situation oder Thema kann man auf eine der widersprüchlichen Bedeutungen umwechseln; oft passiert das innerhalb eines Absatzes mehrmals. 

Das bringt es auf den Punkt. Da der Markt nicht definierbar ist, ist er auch nicht falsifizierbar und daher Glaube. Daher ist dieses Konzept als Argumentationsbasis abzulehnen. Wie soll man marktbezogene Aussagen prüfen?

Chris 

Freitag, 26. Januar 2018

These zur Steuersenkung

Ich habe neulich einen interessanten Beitrag über Steuersenkungen gesehen. Das Argument war folgendes. Wenn Steuern sinken, dann senken Unternehmen die Bruttolöhne. Denn die Unternehmen wissen genau, dass der Arbeitnehmer für den vorherigen Nettolohn bereit ist zu arbeiten.

Das finde ich persönlich ein relativ schlüssiges Argument. Laut des Beitrags, kann man zumindest die Steuersenkungen und Steigerungen direkt mit der Lohnentwicklung korrelieren. Wenn das zumindest qualitativ zutreffen würde, bringen Steuersenkungen den meisten Menschen gar nichts, sondern schaden ihnen sogar. Schließlich würden auf der anderen Seite Leistungen gekürzt.

Die genannte These würde sogar perfekt in die klassisch liberalen Modelle passen. Nehmen wir an, die absurden Annahmen des Gleichgewichtsmarkts,etc. würden gelten. Dann verhandelt ein Arbeitnehmer im Endeffekt, um seinen Nettolohn. Den kann er frei ausgeben. Der Arbeitgeber verhandelt um den Bruttolohn, denn den muss er bezahlen. Daher führt eine Steuersenkung in diesem Modell zu einer nichtentlastung der Arbeitnehmer, aber einer Entlastung der Arbeitgeber. Interessanterweise, wenden neoliberale Ökonomen ihre Quatschmodelle nicht einmal richtig an. Denn selbst die zeigen, dass Steuersenkungen nur den Reichen nützen.

Chris

Dienstag, 23. Januar 2018

Gleichzeitig hat die geplante Freigrenze aus ökonomischer Sicht zwei kritische Folgen

Es geht um den Solidaritätszuschlag. Der ist ein Dorn im Auge der neoliberalen Wirtschaftswissenschaftler. Gute Argumente habe ich noch keine gesehen, so eindeutig scheint es also nicht zu sein. Ein gutes Argument besteht aus mehr als, es ist zu teuer. Denn das "es ist zu teuer" ist aus dem Kontext genommen. Sind 50.000 Euro für ein Auto teuer oder nicht? Sind 100.000 Euro für ein Haus teuer oder nicht? Beides kann man nicht beantworten. Es kommt auf das Haus und das Auto an. Es kommt auf den Bedarf an. Beim Soli müsste die Frage daher lauten, wer zahlt es, was wem bringt er etwas, was wäre der Aufwand ähnliche Leistungen anders zu generieren, will man die Leistungen generieren, usw.
Bei der INSM versucht Dr. Tobias Hentze aus ökonomischer Sicht zu begründen warum der Soli, bzw. die Anpassung von Grenzbeträgen krisch sei.
Trotz Abfederung des Fallbeileffekts durch eine Gleitzone steigen die marginalen Belastungen der Steuerzahler oberhalb des Grenzwerts stark an. Das heißt, von einem zusätzlich verdienten Euro gehen rund 57 Cent und damit sechs Cent mehr als bisher an den Staat. Dies gilt bei einem Single im Jahr 2021 für Jahresbruttogehälter zwischen 73.000 Euro und 89.000 Euro. Bei Ehepaaren sind die Werte entsprechend doppelt so hoch. Im Ergebnis vermindern sich somit die Anreize für diese Personengruppe, ihre Arbeitszeit zu erhöhen oder Überstunden zu machen. Da es sich dabei um hoch produktive Erwerbstätige handelt, kann die wirtschaftliche Entwicklung gedämpft werden.
Es wird also ein Szenario beschrieben, das absurder nicht sein könnte. Die genannten Bruttogehälter verdienen 10-15% der Einkommensbezieher. Niemand, auch in diesem Bereich nicht, denkt sich "Oh für jeden weiteren Euro kriege ich netto nur noch...". Daher ist die Behauptung die Anreize vermindern sich Quatsch. Vor allem wird der Anreiz mehr zu arbeiten nicht vom Arbeitnehmer gesetzt. Der Bedarf muss beim Unternehmen vorliegen. Wenn das Unternehmen meint sein Arbeitnehmer solle mehr arbeiten und will es schmackhaft machen, dann spielen Steuern keine Rolle. Dann steigt eben das Brutto stärker, denn der Arbeitnehmer interessiert sich eben nur für das Netto das er herausbekommt. Die Argumentation ist also merkwürdig. Besonders schön ist die Behauptung, dass diese Personengruppe hochproduktiv sei. Warum ist das so? Nur weil jemand viel verdient ist er nicht hochproduktiv. Vor allem wie misst man das? Antwort: Gar nicht. Es ist also eine nicht falsifizierbare Aussage, also eine Behauptung.
 
Dies verschlechtert die Rahmenbedingungen hierzulande im internationalen Vergleich. Da die steuerliche Belastung bei Investitionsentscheidungen ein relevanter Faktor ist, kann der Wachstumspfad geschwächt werden. 
Auch hier würde ich gerne mal die Messungen sehen. Wenn das so eindeutig ist, dann müsste es eine strenge Korrelation zwischen Unternehmensgewinnen (nach Steuer) und Investitionen geben. Gibt es aber nicht, soweit ich weiß.  Wie sonst ist die Investitionsschwäche in Deutschland zu erklären? Final dann noch diese Aussage.
Vor diesem Hintergrund wirkt die geplante Freigrenze eher wachstumshemmend. 
Entweder sie wirkt so, oder nicht. Es wird keinerlei Aussage gemacht wie man die Aussage prüfen kann. Es ist eine weitere Behauptung. Der Beitrag ist bezeichnend für Publikationen auf der INSM. Mich erstaunt immer wieder, wie Wissenschaftler sich zu solchem unwissenschaftlichen Texten hinreißen lassen können. Entweder die gesamte Wirtschaftswissenschaft an den Forschungsinstitutionen arbeitet so, oder es ist einfach egal.
Das geschriebene klingt zwar schlüssig, ist aber nur eine Meinung die beliebig falsch sein kann. Die Argumente sind nicht widerlegbar, da kein Kriterium existiert welche die Aussage "kann der Wachstumspfad geschwächt werden" prüfen könnte. Wie soll das gehen? Der Wachstumspfad kann unter Umständen geschwächt werden. Morgen kann es auch regnen oder die Welt untergehen. Aber tut sie es?

Fazit
Von Menschen, die behaupten, Menschen seien rational wird ganz schön viel Irrationales verbreitet. Je mehr ich aus den wirtschaftswissenschaftsinstituten auf der INSM lese, umso mehr glaube ich, dass wir diese Institute nicht brauchen.

Chris

Freitag, 19. Januar 2018

Warum passen rechtsnationale Menschen und Wirtschaftsliberale so gut zusammen?

Ich finde immer wieder interessant wie die Hardcore Wirtschaftsliberalen eher die konservativ rechtsnationalen Menschen ansprechen, anstatt die freiheitlich Liberalen. Zu sehen ist das im Beitrag von Frank Schäffler. Er präsentiert keinen substanziellen Beiträg, eher seine Abneigung gegen Kompromisse von Menschen die nicht seiner Ideologie folgen. Argumente präsentiert er keine. 
Seine Leser zollen ihm Tribut und stimmen ein. Sie sind der Meinung die AfD sei freiheitlich. Sie  haben Angst, dass Deutschland mal wieder zahlen muss (Sinngemäß: die anderen sind halt faul und wir sind an keinen Problemen ursächlich beteiligt).
Warum passen Rechtsnationale und Wirtschaftsliberale so gut zusammen? Ich denke beide folgen einer weltfernen menschenverachtenden Ideologie. Beide Glaubensgemeinschaften können sich in einer für sie schlüssigen Argumentation über andere Menschen erheben und als besser darstellen als sie sind. Einmal ist es Rasse und einmal Einkommen. Gemeinsam haben beide Gruppen, so scheint mir, dass sie keine differenzierte Betrachtung der Welt haben.

Chris